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  ROI in der Weiterbildung

 Die MWonline-Kolumne  ::   ROI in der Weiterbildung


Wer Geld ausgibt, möchte sichergehen, dass er auch einen entsprechenden Gegenwert erhält. In der Regel ist der Gegenwert aber nicht so leicht zu messen: Ist das Buch zur neusten Textverarbeitungssoftware wirklich das wert, was der Buchhandel verlangt? Die Einschätzung ist subjektiv, das gilt auch bei der Bewertung eines Sprachkurses. Bringt er tatsächlich den Gegenwert des Preises, den wir dafür entrichten? Da dies eben kaum in Euro und Cent ausgedrückt werden kann, behelfen wir uns meist mit dem Vergleich der Kosten: Könnte ich einen Sprachkurs in vergleichbarer Qualität zu einem günstigeren Preis von einem anderen Anbieter bekommen? Da bleibt immer noch die Frage der Qualität, aber dafür mag es Gütekriterien geben - wenn man Glück hat.

Doch nun gibt es Experten, die uns nachweisen wollen, dass es möglich ist, den konkreten Nutzen von Trainings und anderen Weiterbildungsmaßnahmen in Euro und Cent nachzuweisen. Das nennt sich Bildungscontrolling. Angeblich wollen Vorgesetzte immer häufiger wissen, ob sich die Investition in eine Weiterbildungsmaßnahme wirklich lohnt. Bleiben wir polemisch und bei dem Beispiel des Sprachkurses. Ich besuche also einen zweiwöchigen Business-Englisch-Kurs und bin eigentlich ganz zufrieden, denn meine Sprachkenntnisse haben sich spürbar verbessert. Doch hat sich die Investition auch finanziell gelohnt? Um das herauszufinden, lasse ich meinen Vorgesetzten den Einfluss des Trainings auf meine Zusammenarbeit in einem internationalen Projekt mit den Kollegen in Asien bewerten. Die notwendigen Kennzahlen erheben wir indem wir das Gesamtbudget des Projektes durch die Anzahl der Projektmitarbeiter dividieren, deren Sprachkenntnisse vergleichen... - nein, so geht es nicht. Aber vielleicht so: Wie hoch wären die Kosten für einen neu einzustellenden Mitarbeiter meiner Qualifikation mit hervorragenden Englisch-Kenntnissen? Diese könnte man den Kosten meines Sprachkurses gegenüberstellen... Auch schräg, oder? Aber dann so: Wir schicken einen anderen Mitarbeiter des Projektes NICHT zu einem Sprachkurs und schauen mal, wie sich seine Leistung von meiner unterscheidet...

Diese Probleme sind den Vertretern einer Return-on-Invest-Rechnung für Weiterbildungsmaßnahmen natürlich bekannt. Dennoch wollen sie uns weismachen, dass seriöse Berechnungen des Nutzens von Weiterbildungsmaßnahmen möglich sind. Wo immer man genauer hinschaut, findet sich irgendwo eine Anmerkung, dass es schwierig ist, die Wirkungen eindeutig bestimmten Maßnahmen zuzuordnen. Dennoch empfehlen sie ihre jeweilige Methode, die am Ende stets in mehr als fragwürdigen Einschätzungen mit Hilfe von Fragebögen oder Interviews durch die Führungskräfte enden. Völlig dreist sind dann Behauptungen, dass man den Effekt durchaus sehr genau bestimmen könne - vorausgesetzt, ein Unternehmen sei bereit, die notwendigen Mittel hierfür zur Verfügung zu stellen. Da kann man nur empfehlen, diese Mittel lieber in qualitativ hochwertige Weiterbildungsmaßnahmen zu stecken, da sind sie besser eingesetzt. Auch wenn man den Effekt am Ende nicht in Euro und Cent ausdrücken kann...

von Johannes Thönneßen
(Der Beitrag erschien auch als Kommentar in der Ausgabe 10/2005 der wirtschaft & weiterbildung)
 
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