| Visionsprozesse |
Visionen werden nicht durch Komitees geschaffen!"
(Tom Peters)
Besitzt Ihr Unternehmen auch eine Vision? Vorsicht, eine Fangfrage. Wie
kann ein Unternehmen eine Vision besitzen? Menschen können Visionen
haben, aber Unternehmen? Spitzfindig - vielleicht. Aber der
Unterschied lässt sich leicht nachweisen. Gehen Sie auf einen beliebigen
Mitarbeiter zu und fragen Sie ihn, was
seine Unternehmensvision
ist. Deckt sie sich mit der, die in Ihren Visionsbroschüren abgedruckt
ist, nehme ich meine Eingangsbehauptung zurück. Aber jede Wette: Sie
werden nicht viele Unternehmen finden, in denen die Mehrheit der
Mitarbeiter eine gemeinsame Vision teilt. Woran das liegt?
Ich glaube, es hat damit zu tun, dass das Management in den
seltensten Fällen überhaupt über eine Vorstellung über die Zukunft
des Unternehmens verfügt. Manager mögen eine Vision ihrer eigenen
Zukunft haben (einmal Vorstandsvorsitzender zu sein - einmal auf den Titelseiten eines
Wirtschaftsmagazin zu erscheinen - einmal Manager des Jahres zu werden), was
völlig legitim ist - aber eine Unternehmensvision? Hätten sie eine,
würden sie wohl kaum einen "Visionsprozess" starten. Das aber
geschieht noch immer, auch wenn die große Welle verebbt zu sein scheint.
Ich sehe ihn vor mir, den Geschäftsführer, der, durch Berater unterstützt,
mit seinen Bereichsleitern zusammen versucht, eine gemeinsame Vorstellung
von der Zukunft zu entwickeln. Wie wahrscheinlich ist es, dass die persönlichen
Vorstellungen tatsächlich in Deckung gebracht werden? Wenn am Ende ein Satz
herauskommt wie "Wir wollen die Nr. 1 werden" oder "Wir sind der führende
Anbieter in...", dann nur deshalb, weil solche Sätze niemandem weh tun und ohne
Aufgabe der eigenen Vision unterschrieben werden können.
Wenn aber jemand die Idee hat, aus einem PC ein Kultobjekt zu machen,
die schnellste Suchmaschine der Welt zu erschaffen, ein Sprudelwasser
in ein Luxusgut zu verwandeln, dann dürfte das in den meisten Fällen
kein Ergebnis eines Visionsprozesses sein, sondern die fixe Idee eines
Unternehmers. Ich schließe nicht aus, dass eine solche Idee auch in
einem Team entstehen kann, und ich glaube gerne, dass in einem solchen
Fall die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sich die Idee im Unternehmen
breit macht. In allen anderen Fällen aber dürfte es allein von der
Fähigkeit des Unternehmers abhängen, seine Vision zu kommunizieren und
Anhänger zu gewinnen. Und so hart es klingt: Wenn er es nicht schafft,
seine Mitarbeiter von der Vision zu begeistern, sollte er sich entweder
von der Vision oder den Mitarbeiter trennen. Da letzteres aber die
wenigsten wagen, stehen am Ende solche Belanglosigkeiten auf dem Papier
wie: "Wir sind ein erstklassiger Anbieter von Rasenmähern". Mal ehrlich:
Wer kann sich schon für eine solche "Vision" begeistern?
von
Johannes Thönneßen
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