| Wenn Wissenschaft kein Wissen schafft |
Man nehme fünf Unternehmensleiter und befrage sie zu einem Thema. Das nennt man dann Pilotstudie, deren Ergebnisse selbstverständlich nicht repräsentativ sind, aber dennoch so interessant, dass man sie veröffentlicht. Damit sich keiner über die geringe Zahl der Befragten aufregt, steht irgendwo in dem Artikel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Satz: "Zur Überprüfung der Ergebnisse sollten weitere Studien durchgeführt werden." - oder so ähnlich.
Nun ist es ja nicht verwerflich, eine kleine Umfrage durchzuführen. Und dass man anschließend die Resultate auch veröffentlichen möchte, verstehen wir nur zu gut. Schön wäre es dann aber, interessante oder gar nützliche Aussagen lesen zu können, wenn schon keine fundierten Zahlen erhoben werden. Was aber sollen wir von solchen "Ergebnissen" halten: "Schlechte Leistungen schlagen sich nicht zwangsläufig in Kritik an der Personalabteilung nieder, da sie unter bestimmten Voraussetzungen relativiert werden." (eine Studie, bei der fünf Unternehmenslenker zu ihren Erwartungen an die Personalabteilung befragt wurden). Erstaunen hinterlassen auch solche "Erkenntniss": "Es ist wichtiger, die angestrebten Werte, Grundsätze und Leitbildaussagen durch die Führungskräfte vorleben zu lassen, als sie schriftlich bis in das kleinste Detail auszuformulieren." (Eine Studie, bei der 57 Interviews zum Thema "Leitbild und Diversity" geführt wurden.)
So richtig wissenschaftlich aber wird es, wenn aufwändige statistische Berechnungen angestellt werden. Nach Auswertung von 104 Fragebögen zum Selbstverständnis von Aufsichtsräten erfahren wir Folgendes: Dort, wo sich die Kommunikation und Kooperation in den letzten zwei Jahren verbessert hat, hat sich auch die Qualität der Entscheidungen verbessert. Der Zusammenhang ist hoch signifikant. Noch ein Beispiel gefällig? Bei Aufsichtsräten, die sich eher als beratendes Gremium statt als kontrollierendes verstehen, hat sich auch das Gewicht des Aufsichtsrates in stratetischen Fragen verstärkt. Sagen die Aufsichtsräte. Und auch das ist hoch signifikant.
Ist das nun Grundlagenforschung? Oder ein Zeichen für die Schwierigkeit der Redaktionen, Monat für Monat eine Ausgabe zu füllen?
von
Johannes Thönneßen