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  Wer braucht den HR-Business-Partner?

 Die MWonline-Kolumne  ::   Wer braucht den HR-Business-Partner?


Als der Begriff des HR-Business-Partners das erste Mal auftauchte, dachte ich, dass er für ein geändertes Selbstverständnis des Personalers stehen sollte. Nämlich dass er raus wollte aus der Rolle des reinen Dienstleisters, Beraters, Administrators und hin zu einem Mitglied der Geschäftsführung, wo er mit am Tisch sitzen wollte, um die wirklich interessanten Entscheidungen zu treffen. Den Begriff fand ich damals schon schräg, weil ich nicht nachvollziehen konnte, warum Beratung, Dienstleistung und Administration kein "Business" ist. Aber es stellt sich zunehmend heraus, dass es ja so gar nicht gemeint war. Tatsächlich dient der Begriff "Business-Partner" inzwischen als Funktionsbezeichnung. Damit möchte der Personaler einfach alles loswerden, was mit Dienstleistung und Administration zu tun hat. Es stört ihn bei dem, was er eigentlich machen möchte: Strategien entwickeln und das Geschäft mitbestimmen. Nein, nicht das "alte" Personaler-Geschäft. Das wickeln Call-Center und "Center of Expertise" ab. Oder man delegiert es ans Management zurück und nennt das dann "Manager-Self-Service" bzw. an die Mitarbeiter (Employee-Self-Service).

Wenn das mal gut geht. Mich beschleicht der Gedanke, dass dies eine Diskussion ist, die die Personaler untereinander führen und nach der sie eines Tages mit einem dicken Kater aufwachen. Warum nennt sich eigentlich der Controller nicht plötzlich Business-Partner und lagert das ganze Zahlenwerk an Shared Service Center aus? Oder wie wäre es mit dem "Business-Partner" Produktion, dem "Business-Partner" Marketing? Dem "Business-Partner" IT? Letzterer hat das Drama wahrscheinlich schon hinter sich: Er saß als CIO im Management und hat das Rechencenter ausgegliedert - und in vielen Fällen schon wieder ins Unternehmen zurückgeholt.

In einem Beitrag der Personalwirtschaft 11/2006 schreiben die Verantwortlichen von Unilever erstaunlich selbstkritisch, dass das Top-Management und die HR-Leitung von dem Modell begeistert waren - die "Kunden" aber überhaupt nicht. Die nämlich wollen keinen "Business-Partner" am Tisch sitzen haben, sondern eine funktionierende Personalarbeit. Und da gab es offensichtlich massive Anlaufschwierigkeiten im Shared-Service-Center. Ob diese wirklich behoben sind, wird nicht so recht klar.

Ich kann mir nach wie vor nur schwer vorstellen, dass Personalarbeit ohne den direkten Kontakt mit den Mitarbeitern und Führungskräften vor Ort gelingt. Ein Platz am Konferenztisch des Top-Managements reicht da sicher nicht - wenn er denn jemals ergattert werden kann. Was bleiben wird, kennen wir doch aus der Zeit des "Referenten-Modells". Bis dahin werden wir noch so manchen Versuch zu lesen bekommen, den Begriff des "Business-Partners" zu retten. Zum Wohle derer, die solche Modelle für viel Geld einführen. Den Rezensenten packt das Selbstmitleid beim Gedanken an die Veröffentlichungen, die dazu noch auf ihn zukommen.

von Johannes Thönneßen
 
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