| Umfrage 08: Vorbildliches Führungsverhalten |
Beispiele negativen Führungsverhaltens gibt es genug. Also haben wir einmal eine ganz andere Art der Umfrage vom 26.09. - 15.11.2000 ins Netz gestellt. Wir haben unsere Leser gebeten, einmal ein Führungsverhalten zu beschreiben, dass sie "am eigenen Leib" erfahren haben und das sie positiv beeindruckt hat. Geöffnet habe 256 Leser die Seite, aber Beispiele haben uns nur magere 14 beschrieben. Wir haben einfach mal daraus geschlossen, dass es wohl an der Art der Befragung gelegen hat, weniger daran, dass unseren Lesern so selten positives Führungsverhalten begegnet. Einige der Antworten geben wir gekürzt wieder:
Am Ende meiner Probezeit erhielt ich das übliche Standardschreiben von der zentralen HR-Abteilung, dass ich übernommen werde. Mein direkter Vorgesetzter hatte aber den freien Raum genutzt und handschriftlich ergänzt, wie froh er sei, daß ich im Team bin und welch gute Arbeit ich bisher geleistet hätte. Dies hat mich überrascht und wesentlich mehr motiviert, als die Tatsache der Beendigung der Probezeit....
Nach einem Jahr Gruppenzugehörigkeit hatte ich mit meiner Führungskraft ein allgemeines Feedback Gespräch vereinbart. Dazu habe ich mir eine kleine Liste von Themen mitgenommen, die ich mit ihr diskutieren wollte und rechnete damit, dass sie das eine oder andere etwas erstaunen würde. Das Gespräch zeigte dann, dass sie sich tatsächlich über ALLE Themen, die ich mitgebracht hatte, bereits intensiv Gedanken gemacht hatte und sie aus meiner Perspektive betrachten konnte.
Unser Unternehmen befindet sich gerade in einer Fusionsphase. Es gab Umstrukturierungen, ich habe einen neuen Vorgesetzten bekommen. Mein "alter" hat sich denken können, dass ich nicht mehr ganz zufrieden bin, obwohl ich in keinster Weise irgendetwas geäußert hatte. Er sprach mich einmal so ganz beiläufig darauf an und sagte nur, bevor ich irgendetwas in Richtung Neuorientierung unternehmen würde, sollte ich unbedingt vorher zu ihm kommen, wir würden dann darüber reden. Diese Äußerung hat sehr viel bei mir bewirkt, mit diesen kurzen Worten hat er so viel an Wertschätzung, Anerkennung und Fürsorge zum Ausdruck gebracht, es war unglaublich.
Szene: Präsentation vor Vertriebspartnern in einer angespannten Situation. Während der Einleitung war ich sehr aufgeregt und hatte Probleme den richtigen Ton zu treffen. Mein Vorgesetzter hat die Situation entschärft, indem er mir ein Mineralwasser gereicht hat:"Trinken Sie mal einen Schluck, dann geht´s besser." So war´s dann auch. Volltreffer!
Der Vorstand führt mit 20-40 Mitarbeitern 2-3 mal pro Jahr ein Seminar mit einem externen Trainer durch. Er präsentiert während der drei Tage das Leitbild und die gewünschte Führungskultur des Unternehmens. Gleichzeitig kann jeder miterleben, dass das Gesagte von ihm im selben Moment gelebt wird. Besser kann das Vermitteln von Leitbildern und Unternehmenswerten nicht geschehen. Das zu erleben begeistert und motiviert.
Wir hatten alle Vorstände in einem gemeinsamen Brief angeschrieben und uns über mangelhafte Informationen beklagt. Es gab dann ein Gespräch mit allen Vorständen und Stäben, bei dem wir ziemlich alt aussahen. Am nächsten Tag ließ mein Chef mich rufen. Er sah, wie mir zumute war, meinte nur, für Nervosität gäbe es auch keinen Anlass, er wolle doch nur wissen, was gerade mich geritten hatte, mich mit bestimmten Typen zusammen zu tun, den gesamten Vorstand anzuschreiben, statt ihn direkt anzusprechen. Wir haben uns dann in aller Ruhe unterhalten, und ihm ist wohl klar geworden, wo ich mich von ihm allein gelassen fühle. Ich habe daraus gelernt, dass ich ihn immer zuerst anspreche, wenn ich Fragen habe, oder Gerüchte höre, die ich geklärt haben möchte. Er hat seit dem immer so umgehend auf Anfragen reagiert, wie es ihm möglich war. Diese "Stabsrevolte" war ein sehr wichtiger Lernprozess für alle Beteiligten. In meiner alten Firma wäre ich für Monate auf der schwarzen Liste gelandet.
Nach einem Merger mit einem anderen Unternehmen zur Jahresmitte 2000 verändert sich die strategische Ausrichtung der neu entstandenen Beratungsgruppe weg von einer Top-Management-Beratung hin zu einer global ausgerichteten IT-Beratung. Da einzelne Geschäftsfelder damit neu abgesteckt sind, führt dies zu einer Veränderung in Unternehmensbereichen. Die damit einhergehende Verunsicherung und Irritation einzelner Beschäftigter nimmt genauso zu wie die Fluktuation. Verhalten: In dieser Situation wurde vom Vorgesetzten sowie dessen gleichgestellten Kollegen eine zeitnahe Informationsveranstaltung anberaumt (nur 14 Tage nachdem die Vorgesetzten selbst Kenntnis über zukünftige Entwicklungen erhalten hatten). Am Vorabend wurde zu einem informellen Treffen geladen, um allen von verschiedenen Standorten angereisten Personen die Möglichkeit zum Austausch zu geben. Der folgende Tag brachte in angenehmer Umgebung alle aktuellen Informationen in einer moderierten Veranstaltung zu Tage. Es wurde offen über alle Möglichkeiten - bis hin zum Management-Buy-Out des betroffenen Bereiches - gesprochen. In einem Kreis angeordnet, waren anwesende Vorgesetzte auf alle Themen und Befindlichkeiten ansprechbar - und hielten auch nicht mit Risiken hinter dem Berg. Offen wurden vergangene Führungsfehler angesprochen und besprochen, was die Erwartungen an die gemeinsame Zukunft sind. Sowohl die Moderation, als auch die Offenheit in einer Situation, in der die Vorgesetzten selbst nur über einen begrenzten Informationsstand verfügen, hat alle Beteiligte zu Betroffenen gemacht. Als zum Schluss die Visionen des Vorgesetzten in Form von Folien gezeigt wurden (gute Vorbereitung!), waren alle Anwesenden soweit eingebunden, daß der Glaube und die Hoffungung an eine gemeinsame Zukunft besiegelt war. Ein guter Start für die Option, ein eigenes Unternehmen zu gründen! (besonderes Verhalten: empathisch, offen, authentisch, ehrlich, umfassend, glaubhaft, visionär, (selbst-) kritisch, reflektiert, humorvoll, aufgeschlossen, stringent, sinnstiftend, kompetent, pragmatisch, vorbereitet, altruistisch und emotional)