| Ein Leserbrief von Marion Matt |
Marion Matt (20.1.2010): Sehr geehrte Herren Aulinger und Schmid!
Ich persönlich freue mich sehr, dass Sie sich des Themas "Empathie" als solches und "empathisches Führungsverhalten" im Besonderen angenommen haben. Meine spezielle Zielgruppe, mit der ich auch in Coachings/ Supervisionen/ Trainings zusammen arbeite sind MitarbeiterInnen aus der Pflege und Betreuung, Alten- und Krankenpflege, Behindertenhilfe, Hospiz, usw.. .
Personen aus diesem Mitarbeiterkreis sollten eigentlich per se über Empathie verfügen, eine fürsorgliche wertschätzende Pflege und Betreuung ohne Empathie, ohne einfühlsames Verstehen ist doch so schon nicht denkbar. Man müsste also zu dem Umkehrschluss kommen, dass alle Leitungskräfte auf der mittleren Leitungsebene, die selber den Pflegeberuf erlernten, fast "automatisch" über Empathie verfügen und die Kognition, wirtschaftliches Denken, Komunikation und GF, etc. nur noch hinzukommen.
Dem ist nicht so. Ich habe viele Leitungskräfte kennen gelernt, einige Könner und viele Mechaniker! Manche Skeptiker und auch einige Rücksichtnehmer.
In der höheren Leitungseben, HL und GL, eher Mechaniker. Die Kognitiven werden eher als die "Geldmenschen" bezeichnet.
Nun kurz zu meiner Frage und unmaßgeblichen Sicht der Dinge auf verschiedenen Leitungsebenen.
Frage: Bei Ihren Typen, in denen ich viele Leitungskräfte und mich selbst auch wiedererkenne, fehlt mir der Mensch, der eine hohe Sachkompetenz hat, ohne Empathie, der aber genau wegen seiner hohen Fachlichkeit sehr gebraucht wird und so schlau ist und sich mit einem Führungsstab umgibt, in dem Empathie als Führungskompetenz vorkommt, er also kompensiert, was wiederum sehr schlau ist. Den Typen finde ich bei Ihnen nicht, aber in der Realität.
Dann finde ich den Typen nicht, der von sich denkt, er sei empathisch, aber Mitarbeiter, die emotional handeln und Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen, für inkompetent hält. Die finde ich bei Ihnen nicht oder sind die bei den Skeptikern?
Die Skeptiker, die von all dem nichts halten, kenne ich auch, würde ich aber nicht als Skeptiker bezeichnen, eher als Ignoranten, denn Skeptiker setzen sich intensiv mit den Themen auseinander, Ignoranten nicht.
Skeptiker aus der antiken Typologie sind denkend, suchend, Ausschau haltend, vorraussehend.
Wie sie lesen: ich bin an weiteren Forschungsergebnissen, Zwischenerkenntnissen und Fragestellungen sehr interessiert. Und werde alles aufmerksam verfolgen.
Ihre Typologie kann meiner Meinung nach ein erster Schritt in Transparenz und Diskussionsgrundlage, Hilfsmittel zur Selbsteinschätzung und Anstoß sein. Aber damit ist es schon viel wert. Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen, Marion Matt www.marionmatt.de