| Ein Leserbrief von Ulla Vogeley |
Ulla Vogeley (20.01.2010): Sehr geehrte Autoren, sehr geehrter Herr Thönneßen,
nach vielen Werkzeugen für Führungstrainings nun auch das Tool der emotionalen Intelligenz in Form der Empathie, ein herausforderndes Forschungsprojekt!
Doch auch ich kann nach 19 Jahren Trainerdasein nicht schlüssig nachzuvollziehen, warum in dieser Studie, wie so oft, nur die Führungskräfte befragt wurden. Wer sollte denn nun „typischer Empathie Empfänger “ sein? – Ich vermute doch stark – der Mitarbeiter als solcher. Oder, wie im Trainingsdasein, auch mal der Auftragnehmer, der ja in diesem vielschichtigen Beziehungsgefüge auch gleichzeitig irgendwie Kollege und Mitarbeiter ist? Oder dann auch die Angehörigen der Mitarbeiter im Falle von Kurzarbeit, Mobbing, Insolvenzbedingter Entlassung, etc.? Und wer bräuchte eigentlich welche Art von Empathie wann besonders, in welcher Form und von wem?
So möchte ich gern ein paar unordentliche Gedanken schreiben, die mir beim Durchlesen durch den Kopf gingen:
Mir fehlen bei den Beschreibungen der vier Empathietypen schlicht die Aspekte der Angst, die die Empathiegebertypen als solche auszeichnen:
Der „Könner“ ist nach meiner Erfahrung eher ein „Kalkulierender“, der es drauf hat, seiner einfühlenden Wertschätzung wortreich elegant und in der Wirkung durchaus einfühlend Ausdruck zu verleihen – zu seinem Vorteil und weil es letztendlich seiner Karriere dient. Er bedient sich gezielt und gut trainiert empathischer Mittel, um Eskalation geschickt zu vermeiden. So umgeht er Grundsatzdiskussion auf den nächst höheren Ebenen, aus Angst, die eigene Karriere zu gefährden.
Der „Mechaniker“ erscheint gelegentlich eher schwach in der fühlenden Selbstreflexion. Würde er sich bei heissen Konflikten seinen tatsächlichen Gefühlen stellen, könnten ungeahnte Ängste ans Tageslicht gelangen, die er gut gebändigt unter Kontrolle hat. Er arrangiert sich – nach Möglichkeit mit pragmatischer Distanz.
Der „Rücksichtsnehmer“, der mir eher vorkommt wie ein Meinungsloser, der nie klar Stellung bezieht, aus Angst fokussiert und eindeutig entscheiden zu müssen.
Dem „Skeptiker“ ist nichts hinzu zu fügen ausser der Grundangst, erkannt zu werden in seinen grundsätzlichen Existenzängsten.
Mir wäre noch bekannt der „herzlich Authentische“, der mitweint oder mitflucht und dies auch öffentlich zeigt, egal, was die Anderen davon halten. Darin aber nicht versinkt, sondern mitarbeitet an Teilschritten zu Lösungen und deren Umsetzung im Auge behält bzw. dafür sorgt, dass drangeblieben wird. Notfalls selbst konsequent kündigt, wenn das System ihn und sein empathisches Engagement nicht mit trägt. Leider eher sehr selten anzutreffen.
Soweit meine Ideen – und die Bitte – für eine aussagekräftige Studie - befragen Sie ALLE– Nehmer wie Geber! Und für noch mehr Glaubwürdigkeit, wie eine Kollegin schon antwortete – auch im Non-Profit Bereich!
Mit herzlichen Grüßen und gespannt auf weitere Kommentare.
Ulla Vogeley
www.ulla-vogeley.de