myMWonline Blog Seminare Marktplatz Redaktion
Sitemap
  Ethisches Verhalten bei Managern

 Themen im Fachforum  ::   Ethisches Verhalten bei Managern


Im Newsletter vom 20.1.2004 hatten wir zum Einstieg geschrieben: "Ein wörtliches Zitat zu Beginn: "Man kann mit Managern nicht über Ethik reden." Es stammt von einem Professor, der ein Buch über "Corporate Diplomacy" geschrieben hat. Der Tenor seiner Aussage in dem Beitrag der managerSeminare: Verständnis erzielt man bei Managern nur dann, wenn ihnen klar wird, dass es ihrem Unternehmen nutzt, wenn sie sich sozial engagieren. Denn, so die Botschaft: Die Kunden kaufen eher bei einem Unternehmen, das auf Kinderarbeit verzichtet und sich für die Gesellschaft einsetzt.
Das macht nachdenklich. Vielleicht ist es ja naiv und realitaetsfern, aber es wäre schön daran glauben zu können, dass soziales Engagement auch möglich ist, ohne strategisch den Nutzen für das eigene Unternehmen zu planen. Ein Engagement, das nur stattfindet, um zu verhindern dass die Kunden weglaufen, dürfte kaum nachhaltig sein. Kunden nämlich sind launisch. Da könnte es sein, dass sie am Ende doch das günstigste Angebot wahrnehmen - egal, ob sich das Unternehmen ethische Grundsaetze verpasst hat oder nicht.

Mir als Kunde wäre es lieber, wenn ich davon ausgehen kann, dass ethisches Verhalten eine Selbstverständlichkeit ist. Dass z.B. die Produkte nicht von Kindern angefertigt werden und dass beim Transport wirklich Energie gespart wird. Wer damit wirbt oder dererlei als Unternehmensphilosophie veröffentlicht in der Hoffnung, mich als Kunden zu gewinnen, erscheint mir eher suspekt...


Dazu schrieb uns Dirk Podbielski (22.1.04): Schön gesagt, Herr Thönnessen. Nur leider hat Ihr zitierter Professor Recht. Es ist immer wieder erstaunlich, dass Menschen, sobald sie eine Funktion in der Wirtschaft übernehmen und die Doktrin des "Mehr (Geld) ist besser" verfolgen, alle ethischen Maßstäbe verlieren, die sie als Privatpersonen für sich und andere in Anspruch nehmen. Das wäre vielleicht mal eine nähere soziologisch-psychologische Untersuchung wert - über "den korrumpierenden Charakter unserer Wirtschaftsform"???

Ich persönlich erlebe es in meinem Geschäft - Öffentlichkeitsarbeit - jedenfalls laufend. Jeder will in den besten Medien publiziert werden. Die besten Medien sind die, in denen sehr profilierte Redakteure sitzen. Und gerade denen will man dann mit dem Argument "Anzeige" kommen statt mit entsprechenden Inhalten. Ich muss meinen Kunden jedes Mal aufs Neue erläutern (und mich dabei der Gefahr der Miesepeterei aussetzen), dass es nicht in ihrem langfristigen Interesse sein kann, redaktionelle Inhalte über das Anzeigengeschäft bestimmen zu wollen; weil sie ein Medium, das so arbeitet, aus gutem Grund selbst nicht mehr ernst nehmen würden. Abgesehen davon, dass das gegen deutsches Medienrecht verstößt. Und ich muss dieses Argument ständig wiederholen, denn es hat offenbar nur eine sehr kurze Erinnerungs-Halbwertszeit ...

Mit dem international anerkannten (von wem eigentlich?) Gebot der Trennung von Berichterstattung und Geschäft im Sinne einer demokratischen Meinungs- und Informationsfreiheit - also letztlich einem ethischen Grundsatz - darf man nach meiner Erfahrung heutzutage niemand kommen; demokratische Funktionen können mit der Aussicht, einen kurzfristigen Vorteil von 1000 Euro zu gewinnen, scheinbar nicht mithalten. Ethisches Verhalten wird eben nicht geldwert belohnt, was in einer zunehmend (geld)wertzuwachs-orientierten Gesellschaft seine Folgen hat.
Nach meiner persönlichen Beobachtung nimmt dafür das ethische Verhalten überall dort zu, wo wirtschaftliche Gesichtspunkte keine Rolle spielen.
 

Ihre E-Mail-Adresse:


Sicherheitscode: