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  Intuition trainieren?

 Themen im Fachforum  ::   Intuition trainieren?


"Das mit der Intuition ist so eine Sache." hatten wir im Newsletter vom 16.9.2003 nach der Lektüre des Beitrags "Auf die innere Stimme hören" in der managerSeminare 9/2003 geschrieben. "Es gibt sie, und jeder von uns hat schon die warnende Stimme vernommen oder umgekehrt das starke Gefühl empfunden, etwas unbedingt so und nicht anders entscheiden zu müssen - ohne genau sagen zu können, warum. Aber kann man das Phänomen auch gezielt nutzen? Kann man Intuition aktiv trainieren? Die Experten sagen "ja", aber der Rezensent hat da so seine Zweifel. Da scheint ihm der Rat, sich ein umfassendes Wissen und Erfahrungen anzueignen und dann darauf zu vertrauen, dass ihm diese auch als Intuition zur Seite springen, wenn sie benötigt werden, schon realistischer. Was meinen Sie? Lässt sich so etwas wie "Professionelle Intuition" üben?"


Anonym, 35.9.2009: Selbstverständlich muss auch Intuition trainiert werden. Es sei denn, man will sein ganzes Leben mit der Intuition eines Neugeborenen verbringen - was praktisch unmöglich ist. Die Fähigkeit, Intuition zu erkennen und danach zu handeln, wird im Laufe des Lebens durch unsere Erfahrungen traniert, und diese Erfarungen wiederum lassen sich zumindest teilweise steuern, wie sich auch die Fähigkeit, mit den eigenen Intuitionen umzugehen, verändern lässt.

Die Fähigkeit zur Intuition ist allerdings angeboren. Was daraus gemacht wird bzw. was man selbst daraus macht, ist dann aber eine ganz andere Frage. Und wer fragt, wann man sie hat, verpasst bereits, dass Intuition nicht urplötzlich situativ entsteht, sondern fortlaufend vorhanden ist.
projekte@gmx.net


Daniela Schamper, 16.9.2003: "Ich schließe mich dem Rezensenten an: "Da scheint ihm der Rat, sich ein umfassendes Wissen und Erfahrungen anzueignen und dann darauf zu vertrauen, dass ihm diese auch als Intuition zur Seite springen, wenn sie benötigt werden, schon realistischer."
Die Intuition hält glaube ich nicht alles für wichtig, was unser Ego gern so hoch einstuft und wofür wir dann gern eine schnelle und investitionssichere Eingebung haetten. Sie lenkt einen eher bei wirklich wichtigen Dingen.

Schwierig ist, echte Intuition von flüchtigen Gefuehlen und Stimmungen zu unterscheiden. Vielleicht kann man das üben - sie zu erkennen. Aber wann man sie hat, lässt sich glaube ich nicht steuern.

Aber wenn die Experten anderer Meinung sind - ich lass mich gern ueberzeugen....

Mit freundlichen Gruessen
Daniela Schamper


Dirk Podbielski, 16.9.2003: "Natürlich lässt sich Intuition üben und trainieren. Und das ist etwas ganz anderes, als auf Wissen und Erfahrungen zu vertrauen - obgleich diese selbstverständlich auch sehr hilfreich sind. Beides bedingt einander: Ohne Erfahrung ist Intuition meist sehr hilflos, ohne Inituition nutzen die besten Erfahrungen nichts. Denn: Es geht doch darum, sich auf ständig wechselnde, oft ähnliche, aber eben immer unterschiedliche Situationen mit einem unüberschaubaren Bündel neuer Informationen einzustellen. Wie soll das gehen, ohne Intuition (oder alternativ genügend Zeit, um in empirischen Forschungen Wissen zu generieren, dies zu analysieren und dann die geeigneten Handlungspräferenzen festzulegen ...)?

Intuition lässt sich auf vielfältige Weise üben. Aus eigener Erfahrung kann ich Tanzimprovisation als tauglich benennen. Hier wird (unter anderem) gezielt trainiert, intuitiv mit Situationen umzugehen und dem "ersten Impuls" zu folgen: ohne darüber nachzudenken, Pläne zu schmieden etc. Auch intuitives Zusammenhandeln mit anderen, Kommunikation etc. werden als intuitiv machbar erlebt. Mehr noch: Ich selbst staune immer wieder, um wieviel "klüger" mich meine Intuition gerade durch unvorhergesehene Situationen bringt, als ich das früher mit noch so viel Wissen und Vorbereitung geschafft habe.

Mein Tipp: Jeder Wirtschaftsentscheider sollte sich aufraffen, mal an 10 oder 20 Stunden Tanzimprovisation teilzunehmen. Es bringt allerdings nur etwas, wenn man sich auch tatsächlich darauf einlässt und Vorbehalte gegen "dies Gehoppse" oder Übungen wie "Umarme die Erde" beiseite zu lassen. Denn Intuition kann nur unter Einsatz von Körper und Seele erlernt werden - manch einer tut sich schwer daran, beidem zu erlauben, "Chef im Ring" zu werden; eine Position, die sonst meist vom kognitiven Denken besetzt ist. Hilfreich ist ein/e gute/r Trainer/in, die/der auch vermitteln kann, dass solche Techniken von anerkannten Profitänzern weltweit mit Erfolg eingesetzt werden.

Die Wortschöpfung "professionelle Intuition" des Rezensenten möchte ich aber am liebsten gar nicht gelesen haben. Intuition ist per se menschlich. Und weder professionell noch privat oder hobbymäßig ...
Mit herzlichem Gruß,
Dirk Podbielski


Gabriele Rudolph zu den einzelnen Beiträgen, 23.12.2003:
Rezensent: "Aber kann man das Phänomen auch gezielt nutzen? Kann man Intuition aktiv trainieren?"
G. R.: Im Grunde geht es bei dem Thema Intuition nicht um ein Training. Man trainiert etwas, das man erwerben muss. Intuition besitzt jede/r. Was uns allerdings abtrainiert wurde, ist das Vertrauen in unsere ganz eigene Wahrnehmung. Das ist hier das eigentliche Thema. Es geht hier nicht darum, sich Wissen und Erfahrungen anzueignen und dann darauf zu vertrauen. Das ist unnötig und sogar hinderlich. Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung wächst, umso mehr man ihr vertraut. Es braucht nur die Bereitschaft, sich selbst zu vertrauen und die Bereitschaft zu lernen und zu verlernen. Aber da wir von klein auf gelernt haben, dass wir keine Fehler machen dürfen und vor allem, dass Vertrauen ins Leben und in die eigene Wahrnehmung gefährlich ist (viele Eltern lieben es nicht, wenn ihre Kinder ehrlich sind, das gefährdet oft das Bild, das sie gerne von sich selbst aufrechterhalten) - alles übernommene, ungeprüfte Vor-Stellungen, die die Wahr-Nehmung einer Situation, das, was ich "für wahr nehme", behindern und Sie leichter beeinflussbar macht. Denn jemand, der seiner eigenen Wahrnehmung vertraut, ist nicht mehr manipulierbar.
Alle "schlechten" Erfahrungen sind im Verstand und das, was gespeichert ist, ist alt und hat mit der vollkommen neuen Situation und neuen Bedingungen im Moment nichts zu tun. Meine Erfahrung ist die, dass es enorm viel Energie, Zeit und Reparaturen im Nachhinein spart, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Und dass, ganz nebenbei, noch sehr viel Lebensfreude mit sich bringt, sich selbst zu vertrauen.

Zu Daniela Schamper: "Sie (die Intuition) lenkt einen eher bei wirklich wichtigen Dingen."
Auch das ist eine Vor-Stellung. Die Intutition steht immer zur Verfügung und wer sie auch bei den kleinen Dingen des Alltags beachtet, ist gut beraten. "Schwierig ist, echte Intuition von flüchtigen Gefuehlen und Stimmungen zu unterscheiden." Das stimmt insofern, als es da kein Konzept gibt, aber Sie werden merken, dass Sie dieses Unterscheidungsvermögen besitzen. Es geht, wie gesagt, nur darum, ihm zu vertrauen und nicht den erlernten Vor-Stellungen. Vielleicht kann man das üben - sie zu erkennen. Aber wann man sie hat, lässt sich glaube ich nicht steuern. Es geht nicht darum zu üben, es zu erkennen, sondern die Vor-Stellungen zu durchschauen, die Sie daran hindern.

Zu Dirk Podbielski, Tanzimprovisationen nutzen: Da man Intuition nicht üben muss, ist das unnötig, aber wenn es jemanden anzieht, warum nicht.

Liebe Grüße von Gabriele Rudolph
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