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  Potenzialanalyse im Training?

 Themen im Fachforum  ::   Potenzialanalyse im Training?


Im Newsletter vom 3.8.2005 hatten wir geschrieben:
Ich gebe zu, dass ich oft während eines Trainings daran gedacht habe, welch hohen diagnostischen Wert doch so manche Trainingssequenz hat. Besser als jedes Assessment Center bieten Trainings die Möglichkeit, die Stärken und Schwächen von Teilnehmern zu beobachten. Kein Wunder, dass es immer wieder Versuche gibt, AC und Training irgendwie zu verknüpfen. Aber es bleiben zwei paar Schuhe, und wehe dem Trainer, der sich verleiten lässt, seine Erkenntnisse dem Auftraggeber mitzuteilen. Aber er sollte seine Erkenntnisse den Teilnehmern zur Verfügung stellen, hiervon wird nach meiner Erfahrung viel zu selten Gebrauch gemacht. Was meinen Sie?


Marijan Kosel (22.8.2005): Sehr geehrte MWOnline-Redaktion,
ich halte sehr viel davon, Wahrnehmungen, die man als Trainer im Verlauf von Trainings gemacht hat, den Teilnehmern zurückzuspiegeln. Gerade bei verhaltensbezogenen Trainings (Führung, Kommunikation, Konfliktverhalten, Teamarbeit ...) stellt das Trainer-Feedback ein wertvolles, zusätzliches Trainingselement dar. Um das Trainer-Feedback nicht dem Zufall zu überlassen, haben wir es in unseren in der Regel mehrstufigen Trainingsprogrammen (Führungskräfteentwicklung, Nachwuchsförderprogramm) als festes Element des Lernprozesses verankert. Die Teilnehmer erhalten jeweils nach Abschluss eines Trainingsprogramms in einem ca. 1-stündigen Gespräch ein Trainer-Feedback. Dabei werden auch ganz konkrete Handlungs- und Entwicklungsempfehlungen ausgesprochen.
Von den Teilnehmern werden diese Trainer-Feedbacks sehr geschätzt, da hierbei im Detail auf das Verhalten des einzelnen Teilnehmers eingegangen wird. Damit wird das Verhalten des einzelnen Teilnehmers an den Lerninhalten gespiegelt. Bei Bedarf bzw. auf Wunsch des Teilnehmers wird auch der direkte Vorgesetzte in das Gespräch mit einbezogen.


Marion Mirswa (15.8.2005): Was spricht dagegen, den TeilnehmerInnen ein persönliches Feedback zu geben? Meiner Ansicht nach kann dies Bestandteil des Trainings werden. Bedingung muss bleiben, dass dies ausschließlich die TeilnehmerInnen erhalten, dass jeder in einer eigenen Feedbackrunde die Chance erhält und dies hier auch ablehnen kann, was unter Trainer/Teilnehmer bleiben muss. AC und Training lassen sich meiner Meinung nach nicht vereinbaren. Riecht das Training auch nur nach AC, untergräbt es die Möglichkeiten des Trainings, der Vertauensschwund wäre vorprogrammiert. Eine weitere Überlegung müsste sein, ob die TrainerInnen eine entsprechende Qualifikation als Coach / SupervisorIn / Psychologin... mitbringen sollten, da die Rückmeldung über die Ebene der reinen Fachvermittlung eines Trainings hinaus geht.
So weit erst mal. Viele Grüße
Marion Mirswa
mmComm PR und Kommunikation
Absender: info@mmcomm.de


Anne Kimmle (8.8.2005): Wie wahr! Häufig ist das Verhaltenspektrum in Trainings wesentlich breiter als im AC aus vielerlei Gründen. Trotzdem lassen sich aus meiner Erfahrung die beiden Settings nicht recht vermischen (auch wenn es hierzu einige glückliche oder häufiger unglückliche Versuche gibt). Und es wäre auch die Frage, ob dann das Spektrum immer noch so groß wäre. Allein das Wissen, dass es um eine ‚AC-freie’ Zone geht, verändert den Blickwinkel und das Verhalten der TN.

Wissen aus dem Training dem Auftraggeber nicht zur Verfügung zu stellen ist Teil des ‚Vertrages’ mit den Teilnehmern. Doch häufig sind hier die Grenzen fließend: Wenn ich eine Veranstaltung mit einem internen Moderator gemeinsam moderiere, so erfährt er nicht unbedingt explizit, aber wenn er ‚gut’ ist, auf jeden Fall implizit, wie ich die einzelnen TN einschätze. Und dieses Wissen wird im positiven Sinne für die Feinjustierung des Trainings genutzt, aber kann natürlich auch intern zu anderen ‚Zwecken’ verwendet werden.

Und wenn sich z.B. ein TN in der Veranstaltung ‚um Kopf und Kragen’ redet, wer meldet ihm das zurück? Der interne Moderator oder ich? Soll ich es ‚heimlich tun’, damit der interne Moderator nicht bemerkt, wen ich angesprochen habe. Zusammen genommen ein spannendes Thema. Es würde ich freuen, wenn es hierzu eine offene Diskussion gäbe!

Noch eine kleine Anmerkung zum auf der Internetseite dargestellten MWonline-Team: Wo sind denn da die Frauen?
Herzliche Grüße aus dem Taunus
Anne Kimmle, Dipl.-Psych.


Wolfgang Mattern (3.8.2005): Das sehe ich auch so. In Seminaren erfahre ich eine Menge über die Stärken und Schwächen der einzlnen Teilnehmer, besonders in Führungskräfte-Seminaren, wo ich das Thema unter dem Entwicklungsaspekt auch explizit anspreche.
Meine Erfahrung ist: Teilnehmer wünschen sich sehr, eine persönliche Einschätzung zu erhalten, manchmal bitten sie ausdrücklich darum. Wer - in den meisten Unternehmen - sagt ihnen schon mit einer wohlwollenden Haltung des Fördernwollens, wie sie wahrgenommen werden?
 

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