| 298. Anfrage vom 14.11.2007 |
Wie werde ich sicherer in Gesprächen?
Ich habe das Problem in der Einforderung, wenn es um Dinge geht, die mich betreffen, die ich für mich erreichen will. Im Moment ist es so, dass ich einen Aufgabenbereich habe, aus dem ich ein wenig heraus möchte und dafür andere Aufgaben übernehmen möchte. Es ist damals auch vereinbart worden, dass wenn es eine Veränderung in unserer Abteilung gibt, die Möglichkeit besteht. Nun ist es der Fall und ich habe angemeldet, mehr aus dem Hintergrund raus zu wollen, um mehr mit Menschen zu tun zu haben. Bisher habe ich mehr Telefonkontakte und ab und zu nur den persönlichem Kontakt.
Ich hatte mit meiner Chefin ein erstes Gespräch, weil ich halt dachte, so zeitig wie möglich meinen Wunsch auch kund zu tun. Doch nach diesem Gespräch fühle ich mich nun gar nicht mehr so gut, weil ich denke, durch meine holprige Art nicht das richtige Gehör und vor allem die Überzeugung geleistet zu haben. Das Schlimme für mich ist nun daran, dass mir das auch noch so richtig aufs Butterbrot geschmiert wurde "ja du weißt ja selbst, dass du dich oft nicht so ausdrückst und dich verhaspelst", das konnte ich ja noch nicht mal verneinen. Sie sagt, dass sie ein großes Fragezeichen setzt und mich eher nicht in der Führung von Gesprächen sieht.
Bevor ich zu ihr ging, hatte ich mir im Kopf schon etwas zurechtgelegt, hatte alle Sätze klar im Kopf, doch wenn ich das Gespräch starte, beginnt die Stammelei. Es kommt alles nicht so klar raus, ich verhasple mich bzw. irgendwie ist es so, sie versteht mich nicht und dann geht alles seinen wirren Gang.
Hierzu ist vielleicht noch anzumerken, dass wir arbeitsmäßig sehr unterschiedlich sind, sie ist eher hektisch und unstrukturiert und ich bin ruhig und strukturierter. Mir ist schon oft aufgefallen, dass wir irgendwie auf einer anderen Ebene zusammen sprechen, doch ich lasse mich durch ihre Art halt immer zurückdrängen und aus dem Konzept bringen. Hinzu kommt, wenn sie sich selber in die Enge getrieben fühlt, kontert sie mit Dingen, die mich dann innerlich sprachlos machen und dann geht es irgendwie nicht so doll weiter.
Das größte Hindernis für eine gute Lösung:
Das größte Hindernis für eine Lösung sehe ich in mir selbst, denn meine Chefin wird sich nicht anpassen bzw. verändern und somit muss ich eine Veränderung vornehmen. Erreichen möchte ich, dass sie davon überzeugt ist, dass ich dafür geeignet bin und mir somit die Möglichkeit der Veränderung und Weiterentwicklung gibt. Daher stellt sich für mich die Frage: Wie kann ich mich denn in solchen Fällen wappnen, wie muss ich an Gespräche ran gehen, damit ich besser kommunizieren kann und somit verstanden werde?
Die Antworten der Coachs:
Dr.
Tilman Kiehne: Sie wollen etwas einfordern, was "damals" vereinbart wurde? Wann war "damals"? Als Sie in das Unternehmen eintraten? Wie lange ist das her? Wie haben Sie "damals" gewirkt, wie wirken Sie heute? Sind Sie "holprig" und beginnen schnell zu stammeln oder sind Sie "ruhig und strukturiert"? In welchen Situationen tritt welche Facette - ich unterstelle, Sie haben beide - stärker hervor?
Welches Verhältnis haben Sie zu Macht? Ist das "Du", mit dem Ihre Chefin Sie adressiert, ein kollegiales oder freundschaftliches? Welche Konsequenzen hätte das eine, welche das andere für Ihre Beziehung? Wer ist in Ihrer Beziehung die Mächtigere? Wie kommt es, dass sich Ihre Chefin von Ihnen in die Enge getrieben fühlen kann?
Das größte Hindernis: "... Meine Chefin wird sich nicht anpassen bzw. verändern und somit muss ich eine Veränderung vornehmen. Erreichen möchte ich, dass sie ..." Können Sie nachvollziehen, dass ich hier eine Paradoxie sehe?
Sie hatten "alle Sätze klar im Kopf, doch wenn ich das Gespräch starte, beginnt die Stammelei". Wäre es für Sie denkbar, dass gerade die sorgfältige Planung des Gesprächs Ihrer Spontaneität im Gespräch hinderlich wurde?
Dies sind die Gedanken, die mir durch den Kopf schossen, als ich Ihre Anfrage las. Sie haben sie gelesen; vergessen Sie diese Überlegungen getrost wieder. Denn - danke trotzdem für die Frage! - Sie scheinen mir in diesem Coaching-Forum auf dem falschen Dampfer zu sein.
Sie brauchen keine Kopfgeburten, sondern Praxis! Und weil es ums praktische Umsetzen geht, würde ich an Ihrer Stelle alle Punkte handelnd angehen. Mittel der Wahl in Ihrem Fall nach meiner Einschätzung: Rollenspiele - sehr gut vorbereitet, um Freiraum zu gewährleisten (und das ist nur scheinbar ein Paradoxon!). Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie vorab die Regisseurin / Trainerin / Coachin / Supervisorin Ihrer Wahl.
Spielen Sie Ihr Leben und leben Sie dann die im Spiel gewonnenen Erfahrungen. Ich wünsche viel Spaß dabei!
Marion Mirswa : Lassen sie mich bitte direkt einsteigen: Mir fällt auf, dass Sie das größte Hindernis für eine gute Lösung sehr klar beschreiben. Auch von dem, was Sie erreichen möchten, haben Sie eine klare Vorstellung: Sie möchten Ihre Chefin überzeugen, dass Sie für fundierte Kundengespräche geeignet sind und sie Ihnen die Veränderung und Weiterentwicklung ermöglicht. Und Sie sind bereit, sich selbst dahin zu entwickeln. Habe ich das richtig erfasst?
Ich meine, wo klar formuliert wird, besteht auch in den Gedanken Klarheit, umgekehrt gilt demnach: Unklare Formulierungen weisen auf Unklarheit in der Sache hin. So betrachtet zeigen unklare, unsicher vorgetragene Formulierungen Unsicherheit in der Person. Das ist eine Vermutung. Bitte prüfen Sie für sich, was davon auf Sie zutrifft.
Meine ersten Fragen lauten: Ist das nur in der beruflichen Situation so oder auch privat? Hat es unmittelbar mit der Chefin zu tun, oder in welchen Situationen geht ging es Ihnen ähnlich? Gab es Situationen, in denen Sie sich richtig für Ihre Interessen eingesetzt haben, ohne an Ihr Auftreten zu denken? Wenn ja, welche waren es, was haben sie gemeinsam? Ist die Art Ihres Auftretens ein Gradmesser für Wichtigkeit und Dringlichkeit Ihres Zieles?
Beim Lesen Ihrer Anfrage fallen mir folgende Beschreibungen auf: "... ein WENIG heraus möchte ...", "... weil ich HALT dachte ..." oder " ...hatte alle Sätze klar im Kopf, doch wenn ich starte ...".Folgende Fragen fallen mir dazu ein: Vertrauen Sie Ihren eigenen Fähigkeiten? Geht es in erster Linie um Gesprächskompetenz, klar und strukturiert zu formulieren? Dann könnte ein Rhetorik-Seminar ein guter Ansatz sein. Haben Sie schon an solch einem teilgenommen? Wenn ja, was hat es Ihnen gebracht und was empfanden Sie als unnötig? Würde es Sinn machen, das was gut war zu vertiefen oder haben Sie die Möglichkeiten schon ausgeschöpft?
Geht es jedoch um Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, dann könnte alles, was das "Standing" stärkt, sinnvoll sein. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nach dem, was Ihnen liegt. Sie könnten Theater spielen, im Chor singen (Stimmschulung), Sport machen. Sozusagen über eine Stärkung des Äußeren eine innere Stärkung erreichen. Kommunikation ist ganzheitlich und besteht nicht nur aus den gewählten Worten. Tatsächlich machen Worte nur sieben Prozent in der Kommunikation aus, der Rest ist Auftreten, Körpersprache und Stimme. Eine Rückenschule stärkt beispielsweise neben Rücken auch die Präsenz. Eine tolle Übung für einen sicheren Stand ist für Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahn etc. das freie Stehen während der Fahrt. Man muss sich flexibel auf das, was kommt einstellen und mitgehen. Hier lernt man das Gleichgewicht zu behalten und ich finde, diese Übung macht auch Spaß.
Sie könnten auch mit einem Selbstcoaching beginnen und sich fragen: Wo stehe ich auf einer Skala von Null bis Zehn jetzt? Dabei bedeutet Null keine Gesprächskompetenz und Zehn hohe Gesprächskompetenz. Was bedeutet Gesprächskompetenz für mich genau? Kann ich das auch anders definieren. Wenn ja, wie? Was bräuchte ich, um nur einen halben Punkt weiter zu kommen? Wer würde, könnte mich dabei unterstützen? Was würde ein Mensch, den ich sehr schätze, über meine Stärken sagen? Was könnte ich privat tun, um öfter frei zu sprechen? Welche Gelegenheiten könnte ich intensiver nutzen? Welche Gelegenheiten kann ich selbst schaffen? Wenn Sie in diesem Prozess schneller vorankommen und Feedback von einer neutralen Person haben möchten, könnten Sie sich einen Coach nehmen und mit diesem verschiedene Alternativen und Perspektiven durchgehen und erarbeiten. Warum? Da ich aus der Chemie komme, beschreibe ich einen Coach immer gerne als Katalysator in einem persönlichen Prozess, denn ein Katalysator beschleunigt nach meinem Verständnis einen Prozess. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Weg der Veränderung und Weiterentwicklung.
Johannes Thönneßen: Ich sehe hier zwei "Probleme": Eines, das mehr mit Ihnen selbst zu tun hat, nämlich die Schwierigkeit, ein eigenes Anliegen sprachlich so zu vermitteln, dass es klar und angemessen beim anderen ankommt. Das ist absolut kein ungewöhnliches Problem und betrifft viele Menschen. Es wäre ja nicht weiter schlimm, wenn Sie nicht den Anspruch hätten, Kundengespräche zu führen. Ohne diesen Anspruch wäre das zwar auch nicht schön, aber verkraftbar. Da stellt sich die Frage, wie groß der Aufwand sein darf, den Sie betreiben möchten, um hier an sich zu arbeiten. Da lässt sich an Training oder Coaching denken - bis hin zur Bearbeitung der zugrunde liegenden Erfahrungen, die es Ihnen so schwer machen, sich klar und deutlich zu äußern. Wenn Sie sich sicher sind, hieran arbeiten zu wollen, könnte man das vielleicht sogar mit dem zweiten "Problem" verknüpfen.
Das nämlich scheint mir das Verhältnis zu Ihrer Chefin zu sein. Auch das ist keineswegs ungewöhnlich, und wer will es Ihrer Chefin verdenken, dass sie jemanden mit sprachlichen Ausdrucksschwierigkeiten lieber nicht in Kundengespräche einbinden will? Aber was wäre, wenn Sie Ihre Chefin zu Ihrer Verbündeten oder gar zu Ihrem "Mentor" in dieser Angelegenheit machten? Wenn Sie zu ihr gingen und Ihr Dilemma schilderten. Also: Sie möchten gerne andere Aufgaben übernehmen, kennen aber selbst ihre sprachlichen Hemmungen und möchten hieran arbeiten. Bitten Sie sie dann, Sie dabei zu unterstützen, sei es durch Bewilligung von Trainingsteilnahmen, Coaching oder persönlicher Unterstützung. Damit müsste ihre Rolle wechseln, von derjenigen, die über eine "Beförderung" zu entscheiden hat, die Auswirkungen auf das Geschäft haben könnte, hin zu einer Rolle als "Personalentwicklerin", die etwas für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter tut.
Können Sie sich das vorstellen? Sollte es hier zu einer Verständigung kommen, könnte ein späterer Schritt auch sein, das Thema auf die Führungsbeziehung zu bringen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem weiteren Vorgehen.
Wir freuen uns über weitere Anmerkungen zu der Anfrage und/oder den
Antworten der Coachs.