| 311. Anfrage vom 27.5.2009 |
Wie verbessert man die Kooperation zwischen den Abteilungen?
Ich bin auf der Suche nach kreativen Ideen/Übungen.
Nach der Restrukturierung eines kleineren Bereiches finden sich nun die Abteilungsmitglieder in ihren neuen Rollen und Aufgaben ein, d.h. innerhalb der Abteilungen geht es voran.
Die Kooperation ZWISCHEN den Abteilungen müsste weiter verbessert werden. Um allen Beteiligten ein wenig "Mut" zu machen suche ich "Quick Wins" - erste kleine Maßnahmen, um die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu stärken bzw. um erste Erfolge in der Zusammenarbeit sichtbar zu machen - durchführbar möglichst im Rahmen der Arbeitszeit.
Die erste Idee ins Unreine geschrieben: Für eine gute Tat, die ich einem Kollegen einer anderen Abteilung zukommen lasse, erhalte ich einen Smiley, Zeichen der Anerkennung etc. Die Abteilung mit den meisten Smileys bekommt am Ende des Jahres die Weihnachtsfeier von den anderen Abteilungen gesponsert o.ä.
Fällt Ihnen etwas Kreativeres ein?
Die Antworten der Coachs:
Jörg Middendorf: Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Idee, die Sie zur Überwindung der Abteilungsgrenzen beschrieben haben, baut darauf auf, gewünschtes Verhalten zu verstärken und damit seine Auftretenswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Sie befinden sich damit also in bester Gesellschaft von Psychologen und Pädagogen (siehe auch "Pawlowscher Hund" sowie konditionierte und operante Verstärkung bei Wikipedia). In der Regel funktioniert das auch sehr gut, solange die Belohnungen dann nicht ausbleiben oder die Zeit zwischem gewünschten Verhalten und der Belohnung (Weihnachtsfeier) subjektiv zu weit voneinander entfernt ist. Und wenn es funktioniert, sind Sie dann schnell von einer permanenten Vergabe solcher Belohnungen abhängig. Zusätzlich hat die positive Verstärkung auch einen kleinen negativen Nebeneffekt: Die Leute, die heute schon das gewünschte Verhalten zeigen, einfach weil es das ist, was sie gerne tun, werden durch externe Belohnung in ihrer Motivation gehemmt. Das heißt, die intrinsische Motivation, das Verhalten zu zeigen, wird wahrscheinlich abnehmen und es zählt ab jetzt nur noch die Belohnung - bleibt die aus, wird auch das Verhalten nicht mehr gezeigt, auch wenn man es vorher ohne Belohnung gezeigt hat. Sie sehen, Leute langfristig zu etwas zu bringen, ist manchmal kompliziert.
Letztendlich verhalten sich die Menschen immer so, wie es für sie am nützlichsten ist. Und "nützlich" ist hier ein weiter Begriff. Er kann bedeuten, dass man einen materiellen Gewinn erzielt, persönliche Werte bedient werden, Anerkennung erhält oder eine emotionale Befriedigung erlangt. Dies sind dann auch entsprechend die Ansatzpunkte für eine Beeinflussung des Verhaltens: Überzeugung, Betonung und Etablierung gemeinsamer Werte (Unternehmenskultur), Anerkennung für entsprechendes Verhalten. Aber um noch einen etwas handfesteren Hinweis zu geben, sei noch erwähnt, dass Überzeugung, Anerkennung und emotionale Befriedigung oft am einfachsten durch das Setzen und Erreichen von ambitionierten Zielen erreicht werden (und bitte… Verknüpfen Sie Ziele nicht mit einem Bonus, dann sind Sie wieder bei systematischer Hemmung der intrinsischen Motivation). Da die Abteilungen ja in EINEM Unternehmen sind, sollte es möglich sein Ziele zu definieren, die ein abteilungsübergreifendes Arbeiten notwendig machen.
Sobald Abteilungen (Individuen) nach Zielen bewertet werden, die sie alleine erfüllen können, werden Sie sich entsprechend "alleine" verhalten. Ist zur Erfüllung von Zielen eine gemeinsame Anstrengung notwendig, bei der der Beitrag des Einzelnen trotzdem sichtbar ist (zur Vermeidung von "Trittbrettfahrereffekten"), wie das Verhalten entsprechend auf "Gemeinsamkeit" ausgerichtet sein. Wenn nun das Ganze noch von einer entsprechend gelebten Unternehmenskultur flankiert wird, sollte es doch in die richtige Richtung gehen, oder? Aber wie gesagt, Menschen und ihre Motivation sind manchmal einfach kompliziert... Viel Erfolg!
Reinhard Fukerider: Ihr Anliegen, nach einer Neustrukturierung die Team- und Abteilungsentwicklung im Auge zu behalten und möglichst effizient zu begleiten, kann ich gut verstehen und halte ich persönlich ebenfalls für ganz wichtig.
Ohne genauere Zusatzinformationen über Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation, die Zusammensetzung der MitarbeiterInnen kann ich mich natürlich auch nur sehr allgemein äußern.
Meine spontane Reaktion auf Ihre Idee mit den Smileys war: Das ist ja wie im Kindergarten. Ich will Ihnen damit nicht zu nahe treten, vielleicht ist das eine dem Alter Ihrer MitarbeiterInnen gemäße Form. Aus meiner Perspektive als 50-jähriger betrachtet, käme ich mir da irgendwie veräppelt vor. Mein Tipp an dieser Stelle, überprüfen Sie, ob solche Methoden wirklich für Ihre MitarbeiterInnen angemessen sind.
Aus meiner Sicht sollten Sie folgende Anregungen überdenken:
- Bei Veränderungsprozessen ist Kommunikation das A und O. Signalisieren Sie, dass Sie bei auftretenden Fragen und Schwierigkeiten jederzeit ansprechbar sind, zumindest für Ihre Führungskräfte.
- Planen Sie in den vermutlich vorhandenen regelmäßigen Meetings auf die Dauer von einem Jahr eine Zeit mit ein (15 - 30 Minuten, je nach Gruppengröße), in der Sie sich mit Ihren MitarbeiterInnen über die Fragen austauschen: Was läuft in der Zusammenarbeit gut? Wo müssen wir noch nachlegen?
- Machen Sie sich einen Zeitplan mit Meilensteinen, um die Fortschritte und Hürden der Teamentwicklung zu thematisieren. Sie können das alleine moderieren oder sich externe Unterstützung holen. Über die Methode der Teamaufstellung können Sie auch kreative und gleichzeitig effiziente Elemente mit einbringen.
- Überlegen Sie auch, inwieweit andere Teambuildungmaßnahmen, wie z.B. Hochseilgarten etc., hilfreich sein können.
- Geselliges Beisammensein, mal zwischendurch oder in Verbindung mit Meilenstein-Auswertungen, wirkt manchmal Wunder, weil sich alle TeilnehmerInnen im informellen Teil auf eine andere Art und Weise begegnen können, als es im normalen Berufsalltag der Fall ist. Vorurteile und Kommunikationsbarrieren können abgebaut, manche Konflikte auf charmante Art und Weise gelöst werden.
- Wertschätzung der MitarbeiterInnen durch ein aufmunterndes Wort kostet nichts und ist im Alltag ohne viel Mühe oder irgendwelche Techniken umsetzbar.
Hoffe, dass die ein oder andere Anregung für Sie dabei ist. Wünsche Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen viel Erfolg beim Neustart!
Wir freuen uns über weitere Anmerkungen zu der Anfrage und/oder den Antworten der Coachs.
|
|
Unterthemen |
Kurzbeschreibung |
 |
Leserkommentare (311)
|
Wie verbessert man die Kooperation zwischen den Abteilungen?
|